16. Juli 2019

5G: Auswirkungen auf den Datenschutz und Chancen für Unternehmen

    Vom 19. März bis zum 12. Juni 2019 wurden die Frequenzen des neuen Mobilfunk-Standards 5G für Netzbetreiber von der Bundesnetzagentur versteigert. Bei 6,55 Milliarden Euro endete die Auktion. Die neue Technologie soll eine erheblich größere Geschwindigkeit im mobilen Netz erreichen, sogar bis zu 10.000 Mbit/s (1.250 MB/s). Im Vergleich zum jetzigen schnellsten 4G-Standard (LTE+) bedeutet das eine 10-fache Steigerung der maximalen Geschwindigkeit. Zudem sinkt die Latenz (Signallaufzeit) um das 10-Fache von etwa 10 ms bei 4G auf 1 ms bei 5G. Auch verspricht 5G eine höhere Energieeffizienz als 4G.

    Neue Infrastruktur: präzisere Standortbestimmung

    Gleichzeitig bringt der neue Mobilfunk-Standard auch Änderungen in der Infrastruktur mit sich. Der Abdeckungsbereich der künftigen 5G-Funkzellen ist deutlich kleiner als bei 4G. Das führt dazu, dass im gleichen Abdeckungsbereich eines 4G-Funkmastes mehrere (kleinere) Funkzellen für 5G eingesetzt werden müssen. Zudem dringt das Signal von 5G schlecht durch Wände, was zur Folge hat, dass auch innerhalb von Gebäuden 5G-Funkzellen nötig würden.

    In Berlin wurde 2018 bereits durch die Telekom ein 5G-Test auf einem 5 Kilometer breiten Streifen zwischen Schöneberg und Mitte eingerichtet. Dafür wurden an 20 Standorten insgesamt 70 Antennen angebracht. Das zeigt, wie viel Infrastruktur bereits auf kleinem Raum nötig ist, um 5G bereitzustellen. Ein flächendeckendes 5G-Netz in Deutschland erfordert also erhebliche Investitionen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass heute noch nicht einmal 4G flächendeckend verfügbar ist. Angesichts der Kosten ist es unwahrscheinlich, dass die 5G-Infrastruktur auch in ländlichen und gering besiedelten Regionen gebaut wird. Zunächst soll 5G vor allem in Ballungsgebieten verfügbar werden. Noch in diesem Jahr 2019 soll 5G erstmals nutzbar sein, kündigten die Telekom und Vodafone an. Zugleich kommen dieses Jahr auch die ersten 5G-Smartphones auf den Markt. Ziel der Bundesnetzagentur ist es, dass Ende 2022 98% der Haushalte mindestens mobiles Internet mit LTE-Geschwindigkeit haben.

    Durch diese veränderte Infrastruktur wird eine viel präzisere Bestimmung der Position des Endgeräts und damit des einzelnen Nutzers möglich. Damit kann relativ genau der Bewegungsablauf des Nutzers in Echtzeit durch den 5G-Provider nachvollzogen werden, ohne dass dafür etwa GPS angeschaltet werden müsste.

    Bisher wird die Standortbestimmung, etwa bei Jogging-Apps oder für die Statistik der Besucherzahlen für Restaurants oder Läden bei Google, vor allem durch GPS realisiert. GPS funktioniert mithilfe von geostationären Satelliten. Je mehr Satelliten in Reichweite des Smartphones sind, desto genauer ist die Standortbestimmung. Unterstützt werden kann GPS dann noch zusätzlich durch das Anschalten von WLAN und der Freigabe der Position ausgehend vom Mobilfunknetz. Mit flächendeckendem 5G wird GPS praktisch überflüssig – oder kann helfen, den Standort noch genauer zu bestimmen.

    Sicherheitsrisiken und Stärken der Architektur von 5G

    Sicherheitsforscher weisen darauf hin, dass der Grundfeiler der 5G-Architektur, ein zentraler Kontrollserver (SDN), ein attraktives Ziel für mögliche Angriffe sein könnte. Angreifer könnten versuchen, den Server zu überlasten. Um dem entgegenzuwirken, sei die korrekte Konfiguration des SDN, insbesondere bei großen Netzwerken, entscheidend.

    Gleichzeitig kann eine korrekte und sichere Konfiguration des SDN zugleich auch ein besonders guter Schutz gegen Angriffe sein. Erst recht, wenn durch die SDN-Architektur mithilfe von maschinellem Lernen potenzielle Angriffe frühzeitig durch Algorithmen erkannt werden können.

    Darum ist es insbesondere aus datenschutzrechtlicher Sicht umso wichtiger, auf die IT-Sicherheit bei der Umsetzung des neuen Mobilfunk-Standards zu achten, damit Angreifer nicht Zugriff auf die umfangreichen Positionsdaten der Nutzer erhalten.

    Bedeutung und Gefahren von 5G für den Datenschutz

    Die Position und der Bewegungsablauf eines Nutzers, die mit seiner Mobilfunknummer verknüpft sind, zählen zu den personenbezogenen Daten. So werden Standortarten explizit in Art. 4 Nr. 1 DSGVO genannt. Damit unterliegen sie dem Schutz der Datenschutz-Grundverordnung. Kann nun ein so exakter Bewegungsablauf allein durch die Nutzung des Mobilfunknetzes aufgenommen werden, besteht natürlich auch die Gefahr des Missbrauchs dieser Daten.

    Dabei geht es nicht nur um das illegale Abgreifen dieser Daten, sondern vor allem auch um deren Nutzung durch Apps auf dem Smartphone, die Werbetreibenden eine viel genauere personenbezogene Werbung anhand täglicher Routinen und Bewegungsabläufe ermöglichen.

    Unternehmen können mithilfe dieser Standortdaten die persönlichen Vorlieben, Interessen, das Verhalten sowie Aufenthaltsorte oder Ortswechsel analysieren und vorhersagen. Dadurch können Profile erstellt werden, die etwa beinhalten, wo man sich gerne in der Freizeit aufhält, wo man gerne einkaufen geht, wann man Sport macht oder wie oft und zu welchem Arzt man geht. Aus diesem Grund wird dieses sogenannte Profiling in Art. 22 DSGVO besonderen Anforderungen unterworfen.

    Um Missbrauch zu vermeiden und dem Grundsatz der Datenminimierung (Art. 5 Abs. 1 lit. c DSGVO) zu genügen, könnte man in dem Zusammenhang über eine Verfremdung der eigentlich präzisen Standortdaten nachdenken, sodass nur noch der ungefähre Standort innerhalb der 5G-Funkzellen zur Verfügung steht.

    Im Rahmen von Apps, wo im Vorhinein Zugriffsgenehmigungen erfragt werden, müsste in jedem Fall auch, sofern die 5G-Standortdaten verarbeitet werden, die Rechtmäßigkeit der Verarbeitung sichergestellt werden, sei es durch eine Einwilligung oder durch die Vertragsausgestaltung des App-Anbieters zur Nutzung der App.

    Industrie 4.0: Vorteile und Chancen für Unternehmen

    Neben der abgeschlossenen Versteigerung der Frequenzen im Bereich von 2 GHz und 3,4 bis 3,7 GHz sollen für industrielle und mittelständische Geschäftsmodelle auch Frequenzen von 3,7 GHz bis 3,8 GHz für lokale Anwendungen zur Verfügung gestellt werden. Konkrete Vergabebedingungen für diese stehen bisher aber noch aus.

    Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT betreibt bereits in Kooperation mit Ericsson eine Testumgebung für die künftigen Nutzungsmöglichkeiten von 5G. Durch die Vorteile von 5G mit geringer Latenz, eng abgesteckten Funkzellen und hoher Geschwindigkeit lassen sich Messdaten kabellos in Echtzeit übertragen und so umfangreiche Mess- und Regelungstechniken in Produktionsanlagen realisieren. Dabei können zahlreiche Geräte aufgrund der eng abgesteckten Funkzellen gleichzeitig betrieben werden.

    Durch 5G ergeben sich so viele Vorteile und Chancen insbesondere im Bereich der Industrie-Automatisierung, der Sensorik und im Bereich der Land- und Forstwirtschaft. Auch die Kommunikation autonomer Fahrzeuge profitiert von 5G. Industrieroboter bräuchten nicht mehr über mehrere Schnittstellen kabelgebunden angesprochen zu werden, sondern könnten direkt über 5G Befehle so schnell wie möglich erhalten.

    Großes Interesse an lokalen 5G-Frequenzen

    In Deutschland haben bereits Firmen wie BASF, Siemens und Bosch sowie die Autokonzerne Volkswagen, BMW und Daimler angekündigt, Anträge für eigene, lokale 5G-Frequenzen zu stellen.

    Bei den Autoherstellern steht vor allem die Vernetzung von Fertigungsrobotern und Maschinen im Fokus. Volkswagen plant zudem die flexible Installation von Software in den Fahrzeugen. Auch Daimler möchte 5G für den Datenaustausch in der Produktion nutzen, etwa um Produkte auf der Montagelinie zu orten. Bei allen Interessenten ist insbesondere die Steigerung der Effizienz von Bedeutung.

    Die lokalen Frequenzen bieten den Unternehmen die vollständige Kontrolle über ihre Daten, denn es wird kein Netzbetreiber mehr dazwischengeschaltet. Sensible Produktionsdaten werden so nicht an Dritte übermittelt. Deshalb bleiben die Integrität und Vertraulichkeit der Daten bestmöglich gewahrt. Zudem heben die Unternehmen die Zuverlässigkeit und Sicherheit von lokalen Netzen hervor.

    Auch Vorteile für jeden Endverbraucher

    Auch im Alltag wird sich der neue Mobilfunk-Standard 5G in neuen dafür ausgelegten Geräten widerspiegeln. So wird durch die hohe Geschwindigkeit Cloud-Synchronisierung und der Versand von Fotos und Videos erheblich beschleunigt und vereinfacht.
    Insgesamt bietet 5G viele Vorteile und vor allem große Chancen für Unternehmen zur Verbesserung ihrer Arbeitsprozesse.
    Für den Datenschutz wird 5G in Zukunft ein wichtiges Thema werden, insbesondere vor dem Hintergrund der zukünftigen Verbreitung von 5G-fähigen Smartphones. Deshalb sollte der Datenschutz bereits frühzeitig eingebunden werden, um Gefahren für den Datenschutz zu erkennen und Maßnahmen zu entwickeln, damit die Errungenschaften von 5G in einen angemessenen Ausgleich zum Interesse der Verbraucher auf Privatsphäre gebracht werden können.

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